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1. Erfolgsgeheimnis TEAM


Steffen Baumgart
, der Trainer des 1. FC Köln antwortet im Interview mit der FAS vom 24. Oktober 2021 auf die Frage:
Aus der Mannschaft heißt es, das Alltagsklima habe sich unter Ihnen verändert. Auch Spieler, die weniger oft zum Einsatz kommen, fühlen sich wohl. Ist ihre Arbeit an der Gemeinschaft ein Schlüssel zum Erfolg?

„Das ist nicht ein Schlüssel, sondern der Schlüssel. Fußballspielen können alle, Taktik erklären können alle, da sind die meisten Trainer inzwischen sehr weit. Aber die erfolgreichsten Kollegen zeichnet ihre Arbeit mit den Menschen aus: Hansi Flick, vorher Jupp Heynckes oder Jürgen Klopp. Auch Thomas Tuchel hat es geschafft, Mannschaften hinter sich zu bringen. Viel wichtiger, als man von außen glauben mag, sind aber die anderen, die sehr viel Arbeit erledigen. Dauerhafter Erfolg ist nur möglich, wenn alle mitgenommen werden.“

Steffen Baumgart kennt vermutlich die Studie von stepstone nicht, als Bauchmensch macht er instinktiv vieles richtig. Für alle anderen ist dieses Studienergebnis sehr aufschlussreich

Bildnachweiss: Stepstone

Empfehlung für die Praxis
Führungskräfte und ihre Teams sollten ihre Zusammenarbeit regelmäßig gemeinsam reflektieren und hinterfragen, ob die Zusammenarbeit in allen Bereich noch effektiv und effizient ist. Ein gutes Mittel, um die Teamperformance zu messen, sind Kennzahlensysteme. Auch eine offene Feedbackkultur gegenüber Neuem und Fehlern sollte in Teams gefördert werden, um Innovationen und Verbesserungen von Aufgaben zu ermöglichen.

2. Hansi Flick

Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beantwortet die Königsfrage
„Wie formt man Individualisten zu einer Einheit?“
Uns sind drei Punkte wichtig. Zunächst muss die Qualität da sein, nur dann können wir große Ziele erreichen. Und damit meine ich nicht nur die Qualität in der Mannschaft, sondern auch im Funktions-Team. So ist es in einem Unternehmen auch, da werden auf verschiedenen Ebenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt, die Qualität haben, Expertinnen und Experten, die in ihren Bereichen absolut top sind. Wichtige Voraussetzungen sind danach Vertrauen und Loyalität. Die Königsdisziplin ist, was eigentlich das Einfachste ist: mit Begeisterung dabei zu sein und Spaß an dem zu haben, was man tut. Dann ist es möglich, die letzten fünf Prozent herauszuholen.

Bild: dpa

Wie sind Sie das Thema Team und Teambuilding konkret angegangen?

Gar nicht, nicht im Sinne von bewussten Aktionen. „Montags: Teambuilding“, so etwas gab es nicht. Als Führungskraft musst du immer vorangehen, du musst Vorbild sein, du musst für das stehen, was du sagst. Denn jeder registriert, ob etwas einfach nur daher gesagt ist oder ob du dich auch nach deinen Worten richtest. Es bringt nichts, wenn du Parolen raushaust, und du lebst sie nicht.

Zum Thema Vereinbarungen

Wie bei einem Mitarbeitergespräch, das gibt es bei Ihnen ja sicher auch. Damit die Dinge transparent werden. Ein Spieler muss wissen, wie wir ihn einschätzen und woran er eventuell noch arbeiten kann. Es heißt ja immer: die Stärken stärken und die Schwächen schwächen. Aber ich bin von Haus aus ein positiv denkender Mensch, bei uns liegt der Fokus wirklich sehr auf den Potentialen, die wir noch erkennen. Die Spieler sollen wissen, dass sie Dinge sehr gut machen, sie sollen unser Vertrauen spüren, um in Drucksituationen gute Entscheidungen zu treffen. (Interview mit der FAS vom 16. Januar 2022)

 

3. Die Chemie muss stimmen

Der Erfolg von Projekt-Teams hängt auch von seiner Zusammensetzung ab. Bei Neueinstellungen spielen also „weiche“ Faktoren eine Rolle. Der oder die Neue muss auch von der Persönlichkeit her passen. Daher sollte bereits in der Stellenausschreibung und im Suchprofil sorgfältig formuliert werden, welche charakterlichen Eigenschaften ideal wären.

Natürlich profitiert ein Team von unterschiedlichen Fähigkeiten und Typen, aber auch vom inneren Zusammenhalt, der durch Ähnlichkeit erzeugt wird. Es kommt auf die Balance von heterogenen und homogenen Eigenschaften an.

Um Bewerbern schon vor der Einstellung auf den Zahn zu fühlen und den Charakter zu ergründen, haben Psychologen sogenannte Persönlichkeitstests entwickelt.

Zum Beispiel kennt das Team Management System (TMS) folgende Rollen:

informierte Berater, kreative Innovatoren, entdeckende Promoter, auswählende Entwickler, zielstrebige Organisatoren, systematische Umsetzer, kontrollierende Überwacher, unterstützende Stabilisatoren.

Manchen ist ein solches Verfahren zu rational und/oder zu aufwendig. Also doch auf das Bauchgefühl verlassen? Die Intuition und die daraus abgeleiteten Entscheidungen müssen gar nicht so schlecht sein. Der Mensch hat schließlich von Natur aus eine Begabung, andere einzuschätzen, ihre Absichten zu ergründen, ihr Verhalten zu interpretieren. Das ist seit vielen Zehntausenden von Jahren eine notwendige Bedingung fürs Überleben. Und so sammelt jeder im Laufe seines Lebens „Regeln“, mit deren Hilfe er seine Mitmenschen beurteilt und bewertet.

Gleichwohl ist die Herausbildung eines Charakters ein sehr komplexer Vorgang, den sich natürlich auch die Neurobiologen und Entwicklungspsychologen genauer angeschaut haben. Sie unterscheiden in einem Modell vier wichtige Ebenen, die uns alle prägen

Temperament: Ausdauer, Geduld, Selbstvertrauen, Kreativität und Offenheit gegenüber Neuem, Vertrauen, Misstrauen, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe, Zuverlässigkeit und Intelligenz sind angeboren und liegen schon vor der Geburt in großen Teilen fest.

Emotionale Prägung: In den frühen Jahren der Kindheit lernen wir, was gut und lustvoll einerseits und schlecht und schmerzhaft andererseits ist. So wird festgelegt, wie wir mit Stress, Furcht, Erfolg, Unsicherheit und Risiken umgehen. Es bilden sich Leistungsmotivation und Ehrgeiz aus sowie die Abhängigkeit von Lob und Anerkennung.

Bewusstes soziales Verhalten: Durch soziale Erfahrungen in der späten Kindheit und in der Jugend entwickeln sich Moral und Ethik, Empathie, Mitleid, Hilfs- und Kommunikationsbereitschaft. Es zeigt sich, welche Bedeutung das Streben nach Erfolg, Anerkennung, Ruhm, Macht, Liebe und soziale Nähe haben.

Sprachliche Kommunikation: Zuletzt entwickeln wir ein Bild dessen, wer oder was man sein will und wie man gegenüber anderen erscheinen möchte. Wir lernen Selbstdarstellung und Diplomatie, aber auch Verstellung und Selbstbetrug, um voranzukommen.

 

Deshalb erscheinen Kandidaten, bei denen ihr eigentliches „Ich“ im Gespräch überhaupt nicht zum Vorschein kommt, auch so aalglatt.

Tip: Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter bei der Auswahl neuer Kollegen.

 

Autor: Wolf Rübner – EventCampus

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